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Neubau

Projekte im Rahmen der Umweltschule

BSZ Cham erstmals als Umweltschule geehrt


Umweltschule

Das Berufliche Schulzentrum Cham hat im vergangenen Jahr insbesondere mit seinen FOS-Klassen mehrere Projekte zum Thema Umweltschutz und nachhaltiges Handeln durchgeführt. Hierzu gab es sogar eine Seminargruppe, in der mehrere Themen wissenschaftlich untersucht wurden. Hierfür wurde die Schule nun durch das bayerische Umweltministerium bei einer Ehrung von Umweltschulen in Pfreimd ausgezeichnet.

Umwelt und Gesundheit sind zwei Themenfelder, die das Berufliche Schulzentrum Cham in den letzten Jahren besonders für die Schüler aufarbeitet und viele Projekte hierzu veranstaltet. Im letzten Jahr gab es beispielsweise einen Projekttag mit verschiedenen Vertretern aus dem Bereich der Landwirtschaft und des Umweltschutzes. Den Schülern standen hierbei Georg Mayer, der Behördenleiter des Chamer Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Markus Schmidberger, der Geschäftsstellenleiter des LBV Cham, Michael Simml, der Bio-Gemüse anbaut und vermarktet, und Matthias Wiedemann, der im Zukunftsbüro der Kreiswerke Cham arbeitet, Rede und Antwort.

Ausgehend von diesem Projekttag wurden daraufhin im Sozialkunde- und Ethikunterricht verschiedene Ideen gesammelt, wie das Schulleben umweltgerechter gestaltet werden könnte. Zudem nahmen auch viele der Zuhörer Anregungen für ihre Seminararbeiten mit, die sich mit Themen wie dem Vergleich der ökologischen und konventionellen Produktion von Eiern oder auch mit den Auswirkungen von Mobilfunkstrahlung auf den Körper auseinandersetzten.

Dieses Jahr stehen die Themen nachhaltiges Konsumieren und Mobilität im Fokus der Umweltprojekte. So wird von einem Schüler das Projekt E-WALD genauer untersucht und die Entwicklung der E-Mobilität im Bayerischen Wald in den Fokus genommen. Zudem gab es bereits Anfang des Schuljahres einen Gesundheitstag beim Sinocur, wo die Schüler lernen konnten, wie ein gesundes selbst zubereitetes Frühstück aus Bioprodukten aussehen kann.  

FOS-Schüler diskutieren mit Experten zum Thema Nachhaltigkeit

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Die Berufliche Oberschule Cham veranstaltete auch dieses Jahr wieder zu Schuljahresbeginn einen Projekttag. Dieses Mal beschäftigten sich die 12. Klassen mit dem Thema Umweltschutz.

In den letzten Jahren seien mehrere Projekttage bereits erfolgreich verlaufen, stellte die Schulleiterin OStDin Barbara Dietzko bei der Begrüßung der teilnehmenden Referenten und der 12. Klassen heraus. Aus Schülerreihen kam daraufhin letztes Jahr die Anregung, dass man die Schülerschaft zu einem umweltfreundlicheren Verhalten anleiten könnte und so wurde in der Folge ein Umweltseminar für die Schüler der 13. Jahrgangsstufe angeboten wie auch der Umweltprojekttag ins Leben gerufen. Für die Veranstaltung wurden Experten aus den verschiedensten Bereichen ins Boot geholt.

So übernahm Georg Mayer, der Behördenleiter des Chamer Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF), den Part des Referenten über die Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft im Landkreis Cham. Er definierte dabei zunächst den Begriff und erklärte, dass dieser ursprünglich aus dem Bereich Forsten stamme und dass bereits vor über 300 Jahren folgendes Credo von Hans Carl von Carlowitz formuliert wurde: „In einem Wald soll nur so viel abgeholzt werden, wie der Wald in absehbarer Zeit auf natürliche Weise regenerieren kann.“ Bei der Erläuterung der Betriebe ging er auch auf die zahlreichen Regelungen ein, denen sich ein Landwirt heutzutage stellen müsse, um die Nachhaltigkeit bei der Bewirtschaftung zu sichern. Diese Normen verursachen nicht nur, dass auf das Tierwohl mehr achtgegeben wird, sondern auch dass die Bewirtschaftung der Flächen umweltverträglicher gestaltet wird. So müsse der Landwirt immer nach „guter fachlicher Praxis“ seine Felder bewirtschaften. Dies würde gewährleistet durch die alle 3 Jahre wiederkehrenden Fortbildungen im Bereich des Pflanzenschutzes und durch die Einhaltung der Düngeverordnung.

Letztere Aussage nahm der darauffolgende Referent, Markus Schmidberger, der Geschäftsstellenleiter des LBV Cham, zum Anlass, sich darüber zu beschweren, dass es seiner Ansicht nach immer noch einige Landwirte gebe, die sich an die Vorschriften nicht akkurat halten und die Regelungen auch nicht weit genug gingen, da offenkundig der Bayerische Wald, der früher Rückzugsgebiet für zahlreiche Vogelarten war, heutzutage von diesen nur noch sehr dünn besiedelt sei. Zudem seien durch die Düngung immer höhere Nährstoffeinträge in Weihern und anderen Gewässern zu verzeichnen, was zur Eutrophierung dieser führe. Somit werde dieser Lebensraum für viele Arten zerstört. Selbst bei den Insekten sei ein großer Rückgang zu verzeichnen. Flora-Fauna-Habitat-Gebiete seien von dieser Entwicklung ebenfalls nicht ausgenommen, da hier häufig eine konventionelle Bewirtschaftung erfolge. Letztlich forderte er eine neue Landwirtschaftspolitik, die den Artenreichtum fördere und nicht verhindere.

Im Folgenden schloss sich Matthias Wiedemann, der im Zukunftsbüro der Kreiswerke Cham arbeitet, mit seinem Vortrag an. Zunächst stellte er seine Tätigkeit vor und zeigte die vielen Möglichkeiten auf, wie sich auch Bürger an der Umstellung zu einer grüneren Energieversorgung beteiligen können. Zudem ging er darauf ein, wie weit der Ausbau der grünen Energien im Landkreis Cham bereits fortgeschritten sei. So habe man bereits 60,5 % des Stromverbrauchs aus den erneuerbaren Energiequellen generiert. Auch ging er auf das Thema Biogasanlagen ein. Dieser Bereich der Landwirtschaft komme immer mehr in Bedrängnis, da 2021 die letzten Betriebe, die einen zugesicherten Abnahmepreis haben, mit ihren Verträgen auslaufen und dann müssen diese auf dem freien Markt bestehen, was für die meisten sehr kritisch werde. Man müsse sich vorstellen, dass bei einem Verbraucherpreis von 28 Cent/kWh der Börsenpreis nur 2,5-3 ct/kWh betrage. Weiterhin veranschaulichte er den Schülern, was überhaupt 1 kWh sei. 1 kWh brauche man, um 3 t auf 122m hochzuheben. Er gab dabei viele Vergleichswerte an, die die Schüler teils etwas stutzig machten. So benötige man 1 kWh um 1,5 km mit einem Auto mit einem Durschnittsverbrauch von 6 l/km zu fahren. Für die Erzeugung von 2 l Bier werde dieselbe Menge benötigt. Zum Ende hin gab er den Schülern noch viele Energiespartipps und einen Ausblick auf künftige Entwicklungen.

Bevor die Schüler nun mit den Referenten diskutieren konnten, wurde noch das besondere Konzept des Biolandhofs von dem Gartenbaumeister Michael Simml erläutert. Dieser stellt durch wechselnde Fruchtfolgen trotz einer Höhenlage um die 580 Meter Biogemüse für die Direktvermarktung her. Somit wird eine konventionelle Düngung unnötig. Nachdem viele Betriebsmodelle, vom Mutterkuhhalter über den Lieferanten von Arnika für die Firma Kneipp getestet wurden, baute man schließlich den Gemüseanbau soweit aus, dass heutzutage im Laufe des Jahres über 60 Sorten angeboten werden können. Die Vermarktung an den Großhandel stellte sich im Laufe der Entwicklung als Fehlschlag heraus, da bekanntermaßen viele Supermärkte den Preis drücken und dementsprechend kaum Gewinne für den Erzeuger bleiben. So wurde den Schülern auch deutlich, dass es nötig ist, neue Konzepte wie die des Biolandhofs Simml zu unterstützen, da nur so eine ökologische Erzeugung von Lebensmitteln möglich sei.

Bei der Diskussion im Anschluss forderte auch eine der Zuhörerinnen, ein Umdenken der Bevölkerung. So müsse reflektiert werden, ob tiefgefrorene Semmeln, die irgendwo im Ausland produziert und in den Backshops der Supermärkte aufgebacken werden, den Leuten tatsächlich lieber seien, als ein heimisch produziertes Brötchen, das durch Arbeitskräfte aus der Region hergestellt werde. Auch Michael Simml forderte, man solle doch überlegen, wo man seine Produkte einkaufe, insbesondere wenn man wisse, dass Aldi, Lidl und co sicher keine Bestpreise für die Erzeuger zum Ziel haben. Der Tenor des LBVs vertreten durch Markus Schmidberger war ebenfalls mehr ökologische Landwirtschaft zu betreiben. Der Behördenleiter des AELF Cham mahnte jedoch, auch den Landwirten Verständnis zukommen zu lassen, die weiterhin konventionell wirtschaften. Man dürfe nicht vergessen, dass eine Umstellung nicht für jeden möglich sei und die Betriebe ihre Leiter und deren Familien ernähren müssen. Eine Schwarz-weiß-Malerei mache hier keinen Sinn, sondern man müsse beachten, dass es viele Varianten der Landwirtschaft gebe.